Hufrehe-Behandlung bei Pferden

Ich habe im Juli 2016 von Privatleuten eine 23-jährige Haflinger-Stute bekommen, die bestimmt schon mehrere Reheschübe durchlebt hatte. Lore konnte kaum aus dem Hänger hinunter in ihren Stall laufen. Ich hatte es hier in meinen Augen mit einem todkranken Tier zu tun.

Therapie

Im Rahmen von Anamnese und Befunderhebung stellte ich fest, dass eine Lymphstauung und unregelmäßige Herztöne vorlagen, dass die Füße vorne rechts und links leicht geschwollen waren und einen schweren Hufreheschub aufwiesen. Es lag aufgrund des Schmerzvermeidungsverhaltens bereits eine Bewegungseinschränkung und Fehlstellung im Bewegungsapparat vor, der gesamte Körper war verspannt.

Lore wurde erst einmal in ihrem Stall untergebracht und nur mit Heu gefüttert. Noch am selben Tag hobelte die Stallinhaberin die schnabelförmigen, ausgefransten Hufe ab. Dann bekam die Stute einen Polsterverband um beide Hufe gewickelt, der ihr sofort eine erträgliche Erleichterung in der Bewegung gestattete. Fast zeitgleich wurde eine Osteopathie einbestellt und ich setzte ihr an beiden Füßen am Kronrand jeweils sieben Blutegel. Außerdem stellten wir das Pferd mit seinen Füßen zweimal täglich in kaltes Wasser.

Bevor ich mit der eigentlichen Behandlung begann, erhielt die Stute eine Woche lang eingeweichte Flohsamen über ihr Heu zur Darmsanierung.

Danach bekam sie sechs Wochen lang:

  • Arteria Heel: zur weiteren Behandlungen ihrer Durchblutungsstörungen in ihren Beinen;
  • Lymphomyosot: zum Abbau der Abfallprodukte in den Lymphgefäßsystem und zur Stärkung des Immunsystems (belastete Lymphgefäße beeinträchtigen Immunsystem und Stoffwechsel);
  • Traumeel: zur Schmerzbehandlung (deshalb auch keine tägliche Medikamentenverordnung, nur sporadisch);
  • Ginkgo ist zur Behandlung der Durchblutungsstörungen in ihrem Körper und zur Arterienerweiterung.

Als Kräuter wurden eingesetzt:

Getrocknete Brennnessel:

  • enthält viel Vitamin C
  • mineralstoffreich
  • enthält Kieselsäure (entzündungshemmend und wichtig für die Haut − innerlich bei Ekzemen super)
  • enthält Eisen (regt Bildung der roten Blutkörperchen an)
  • stärkt die Abwehrkräfte
  • dient der Blutreinigung
  • fördert Entgiftung / Entschlackung
  • hilft äußerlich angewendet bei Sommerekzem − als Sud
  • fördert ein glänzendes Fell

Bei der Stute wurde sie insbesondere für die Blutreinigung eingesetzt.

Getrockneter Löwenzahn:

  • enthält die Vitamine A, B und C
  • enthält Kalium
  • enthält Kupfer und Zink (wichtige Spurenelemente)
  • enthält Bitterstoffe (tragen zur Entgiftung bei − Nieren / Galle )
  • Blutreinigende Wirkung wird ihm nachgesagt
  • stärkt das Immunsystem

Bei der Stute wurde sie verwendet, um die Nieren und Leber zu entgiften.

Getrocknete Mariendistel:

  • enthält Silymarin, das entgiftend auf die Leber wirkt

Bei Lore wurde sie wegen Verdacht auf Vergiftung eingesetzt, um die schädlichen Stoffe auszuleiten.

Weißdorn:

  • Hauptwirkstoffe sind Flavonoide, Oligomere Procyanide, Triterpensäure, Amine, Phenolcarbonsäuren und Cumarine.
  • Sie wirken stärkend auf das gesamte Herz-Kreislaufsystem. Man sollte Weißdorn jedoch nur unter fachlicher Aufsicht geben.

Weißdorn wurde bei diesem Pferd verwendet, um dessen Herz-Kreislauftätigkeit zu unterstützen, da das Tier bereits 23 Jahre alt war.

Beinwell:

  • Wirkt sich fördernd auf die Zellneubildung und Durchblutung und sorgt für eine rasche Heilung im Knochengewebe. Beinwell kann auch erfolgreich zur Arthrose Behandlung eingesetzt werden.

Symphytum

  • wurde bei Lore eingesetzt, um die Gelenk- und Hufheilung zu unterstützen sowie um die Zellneubildung zu fördern.

Zeitgleich machte ich über drei Wochen Sauerkrautverbände: Das Sauerkraut wird in Wasser gewaschen, dann in zwei Polsterverbände für die Hufe gelegt und an beiden Vorderfüßen angebracht. Zusätzlich habe ich einen normalen Weißkohl mit einer Teigrolle flach gerollt, damit die Wirkstoffe austreten können, und habe alle vier Füße bis ganz nach oben eingewickelt, alles jeweils 2 Stunden wirken lassen und dann wieder entfernt. Dieser Vorgang wurde alle 2 Tage wiederholt.

Zur Unterstützung ihrer Behandlung erhielt die Stute zeitweise Lifewave Pflaster, um die Schmerzen zu lindern, die Entzündung an den Hufen zu behandeln und um den Körper des Tieres bei der Entgiftung optimal zu unterstützen. Die Pads wurden rund um den Huf angebracht mit jeweils 2 Stunden Wirkungszeit. Ich setze die Pads allgemein sehr gerne in der alternativen Behandlung ein, da sie meiner Erfahrung nach sehr positiv auf den Tierkörper wirken. Allerdings gehen sie leicht ab und können auch von den Pferden verschluckt werden, sodass die Einwirkzeit möglichst kurz gehalten werden sollte.

In der zweiten Woche erhielt das Pferd einen Sonderbeschlag mit einer PVC-Unterlage, da der Huf stark gekrümelt hatte. Abermals fragten wir uns, wann das Tier das letzte Mal einen Hufpfleger oder Schmied gesehen hatte, der sich fachmännisch um ihre Hufe hätte kümmern können – so vernachlässigt sah der Huf aus.

Nach dem Beschlagen konnte das Pferd nicht mehr stehen und legte sich hin. Zu diesem Zeitpunkt erhielt Lore das erste Mal zusätzlich ein paar Tage lang Schmerzmittel, um ihr das Stehen zu erleichtern. Nach der ersten Gabe der Medikamente bewegte sie sich wieder; zwar vorsichtig, weil es ungewohnt war, aber sie lief wenigstens ein paar Meter. Von diesem Tag an ging es Lore jeden Tag ein bisschen besser.

Am Ende der dritten Woche waren die Herztätigkeit und der Lymphfluss deutlich verbessert, die Hufe und auch die mit dem Spezialeisen fixierte PVC-Platte waren mit jedem Tag kühler geworden.

Ab der vierten Woche erhielt Lore Vitamin B12 zur Stabilisierung des Immunsystems und zur Heilung der Nerven in den Hufbereichen und dem gesamten Bewegungsapparat.

In der siebten Woche wurde das Eisen erneut geändert und neu angebracht, diesmal ohne zusätzliche Platte. Die Hufe, der Kronrand und der Bereich um das Sprunggelenk waren und blieben bis heute kühl, sodass kein Huf Bad mehr notwendig ist.

In der achten Woche wurde erneut der Pferdeosteopath bestellt und der gesamte Bewegungsapparat komplett neu eingerichtet.

Ab der neunten Woche wurde langsam mit der Muskelaufbauarbeit begonnen: Longe, Spaziergänge mit Maulkorb.

Die vorderen Hufe waren inzwischen ein schönes Stück gesund nachgewachsen. Sie werden weiterhin von der Stallbesitzerin, der Osteopathin und mir beobachtet. Auch die Tierärztin äußerte sich zufrieden über den Zustand des Tieres. Nachdem sie vormals die Röntgenbilder erstellt hatte und die Stute am liebsten noch in der ersten Woche hätte einschläfern lassen wollen, meinte sie nun, dass wir mit der Behandlung so weitermachen sollten wie gehabt!

Lores Heuration wurde nach und nach mit eingeweichten Heucobs ergänzt, so dass sie langsam an Gewicht zulegte. Da sie immer mehr zu Kräften kam, konnte sie mit den anderen Stuten auf die Winterweide, je nach Wetterlage.

Durch das ständige Training und den Muskelaufbau konnte sie nach einiger Zeit wieder traben und ihr Gangbild wurde immer fließender. Außerdem entwickelte sie sich zu einem ranghöheren Tier in der Herde.

Die Hufe wachsen heute regelmäßig und gesund nach, und es besteht die Chance, dass sie bei einer strengen Ernährung mit Heu und Stroh nie wieder einen Reheschub bekommt.

Januar 2018

Die Stute ist weiterhin ohne Beschwerden, sie hatte kein Schub mehr. Nach einem Stallwechsel hat sie zugenommen und geht 2-mal täglich längere Zeit auf die Weide ohne Maulkorb.

Fazit

Ein todkrankes Pferd hat sich innerhalb eines halben Jahres (von Juli 2016 bis Januar 2017) von seiner Krankheit erholt. Zwischenzeitlich hat es sich mit den anderen Tieren in der Herde angefreundet und kann seinen Platz in der Gruppe behaupten. Es wird zwar immer ein Rehe-Pferd bleiben, aber das Tier hat eine große Chance, sich noch einige Jahre am Leben zu erfreuen, sich im Schlamm zu wälzen und ganz einfach ein glückliches Pferd zu sein.

 

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